Sind Tiere Gefühlswesen wie wir Menschen?

 

 

Tiere als Gefühlswesen zu bezeichnen, bedeutet für manche Menschen nicht mehr, als Angstempfinden und das Empfinden von körperlichen Schmerzen diesen Wesen zuzugestehen. Bei vielen von uns würde die Aussage, dass Tiere so beseelte Wesen wie wir Menschen sind und dass ihre Seelen sie daher zu gleichem inneren Empfinden wie uns Menschen befähigen, auf völlige Ablehnung stoßen.

In dem Fall verhalten wir uns so, als wenn wir es ganz genau wüssten, was in einem Tier innerlich vorgehen kann. Aber woher sollten wir, dieser althergebrachten Meinung entsprechend, tatsächlich wissen, dass Tiere weniger Gefühle empfinden als wir, wenn wir doch nur dazu befähigt sind, unser eigenes Empfinden zu verspüren und selbst Mitempfinden in der Regel doch nur die Projektion eigener Gefühle auf andere ist?

Eine solche Einstellung, dass Tiere weniger seelisch entwickelt und daher auch seelisch weit weniger leidensfähig sind als wir, entstammt wie so viele unserer Ansichten aus alten Überlieferungen und nicht aus eigenen oder wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Etwa 90% unseres Wissens und unserer Ansichten und Meinungen wurden – psychologischen Erkenntnissen entsprechend – ungeprüft von unseren Eltern und Lehrern, aber auch durch Anpassung an gesellschaftlich dominierende Ansichten, ja sogar durch Reklameeinwirkungen einfach durch Einprägung im Gedächtnis übernommen. Vieles davon sogar völlig unbewusst!

Diese alte Meinung, dass Tiere weniger fühlen als wir, das ist eine solch ungeprüft übernommene Ansicht, deren Richtigkeit nie bewiesen wurde.

Das Zustandekommen einer solchen Meinung basiert nicht allein auf unserem menschlichen Stolz und Geltungstrieb, der dazu anregt, uns über andere zu erheben und somit uns Menschen verführt, uns über die Tiere in jeder Hinsicht erhaben einschätzen. Erhabener nicht nur bezüglich unserer wesentlich höheren Intelligenz, sondern auch bezüglich der Gefühle.

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, welcher eine derartige Ansicht förderte. Er liegt darin, dass unsere Großeltern oder gar noch die Eltern selbst Tiere für ihre Ernährung mästeten und selber schlachteten. Ein solches Tun ist für intelligente, aber auch zu Mitempfinden befähigte Wesen jedoch kaum möglich, wenn optische und akustische Wahrnehmungen es dazu verleiten, mit dem Schlachtopfer kurz vor seiner Tötung und während des Sterbens mitzuempfinden, bzw. sich in dessen Situation hinein zu denken. Wer dennoch als Mensch mit gesundem Verstand und normal entwickeltem Gefühl tötet, ohne dass Wut oder Sadismus mit im Bunde sind, der muss entstehendes Mitempfinden verdrängen und dies ging bisher am besten mit allen möglichen Selbsttäuschungen. Dazu gehörte vor allem die Ansicht und Behauptung, dass ein Tier, abgesehen von körperlichen Schmerzen, kaum zu sonstigem Empfinden fähig ist.

Des weiteren wurden die betreffenden Schlachttiere durch lebenslänglichen Kerker in oft düsteren muffigen Ställen durch uns Menschen seelisch krank gemacht und zeigten teils ein apathisches Verhalten, das uns Menschen in der Annahme bestärkte, wonach Tiere ohne inneres Empfinden seien.

Auch unsere Religion hat die Menschen früher noch stärker als heute beeinflusst und zum gewissenlosen Schlachten von Tieren und zu dieser Denkweise verleitet.

So wurde diese Ansicht von den angeblich innerlich wenig empfindsamen Tieren, ohne je einer Überprüfung stand gehalten zu haben, von Generation zu Generation weiter getragen, bis in unsere Zeit hinein. Diese Behauptung kommt uns als Fleischverzehrer auch heute noch recht gelegen und dient somit noch immer der Gewissensberuhigung vieler Menschen.

Die Vermutung hingegen, dass Tiere in ihrer seelischen Beschaffenheit und in ihrem Fühlen und Empfinden uns Menschen ähnlicher sind, als wir anerkennen wollen, die kann somit dieser althergebrachten unbewiesenen Aussage nicht nur gleichwertig gegenüber gestellt werden, sondern wird durch genaues Hinsehen an Gewicht gewinnen.

 

Der von mir als Seele bezeichnete Wesenskern verfügt über eine automatische Verhaltenssteuerung, die den intelligenzlosen Naturgeschöpfen beim Überleben hilft.

Das Ur-System dieser automatischen Steuerung basiert ausschließlich auf egoistischen Verhaltensweisen und treibt das jeweilige Wesen zur rücksichtslosen Befriedigung der eigenen Begierden. Diese seelisch niedrigste Entwicklungsstufe ist gekennzeichnet von einer asozialen, extrem eigennützigen Lebensform. Dieser niedrigste Entwicklungsstand, gekoppelt mit der artspezifischen Triebveranlagung, verhilft auch den intelligenzlosesten Wesen zu einem für sie günstigen Verhalten. Er sorgt z.B. dafür, dass dieses nicht vor seiner Nahrung untätig sitzen bleibt, um anderen Hungerleidern den Vorzug zu gewähren, sondern dass es sich automatisch um seine Bedürfnisse kümmert, um im harten Daseinskampf zu überleben.

Zudem verfügt diese hier als Seele bezeichnete innere Einrichtung auch noch über ein eigenes Gedächtnis, in dem Lebenserfahrungen in Form von Sinneseindrücken gespeichert werden. Hier werden auch die Erfahrungen gespeichert, die sich als Konsequenzen auf Reiz-Reaktionsabläufe einstellten. Dieses Gedächtnis, gekoppelt mit dem egoistischen Bestreben nach körperlichem und seelischem Wohlbefinden, sorgt (je nach den Folgen der eigenen Reaktion auf eine Reizwirkung) für einen Vermeidungs- oder Wiederholungseffekt und wirkt somit an- oder abdressierend. Dadurch kommt es mit Hilfe dieses Erfahrungsgedächtnisses ganz automatisch zu sinnvollen Veränderungen im automatischen Reaktionsverhalten auf bestimmte Reize.

Durch eine derart nachhaltige Funktionsweise der seelischen Steuerung sorgt die Natur für ein automatisches Sich-Anpassen ihrer Geschöpfe und das nicht nur an die Lebensbedingungen in die das jeweilige Wesen hineingeboren wurde, sondern auch an sich verändernde Umstände. Das Sinnesgedächtnis ist demnach eine automatische Überlebenshilfe, ganz speziell für intelligenzlose Wesen.

Das egoistische Bestreben nach Wohlergehen, Fortpflanzung usw. dazu diese an- und abdressierende Wirkung des Sinnesgedächtnisses auf Grund der dabei gemachten Lebenserfahrungen ermöglicht es, auch ohne einen Funken eigener Intelligenz in einem sich verändernden Umfeld zu überleben. Damit sorgt die Natur auch für den weiteren Arterhalt ihrer intelligenzlosen Geschöpfe, während ihrem eigenen, noch immer andauernden Entwicklungsprozess.

 

Bei der Beschreibung dieser seelischen Ur-Form hätte ich, anstatt intelligenzloses Tier, auch die Bezeichnung “Mensch“, verwenden können. Obwohl diese Einrichtung speziell zum Überleben für die Intelligenzlosen geschaffen wurde, existiert diese automatische Steuerung auch noch in uns Menschen! Und sie funktioniert noch immer! Denn unser Seelenwesen ist in seiner Ur-Beschaffenheit der Tierseele gleich und daher auch noch voll egoistisch. Auch unser Sinnesgedächtnis ist noch uneingeschränkt wie bei den Tieren funktionsfähig.

So steuert uns die Seele, so wie anderen Tieren auch, zusammen mit der artspezifischen Triebveranlagung automatisch weiter. Und das oftmals, ohne dass wir uns dessen ganz bewusst werden! Demnach lebt der alte Affe noch in jedem von uns! Er ist nur etwas hinter unserer Intelligenz versteckt!

Unter vielem anderen, sei hier als Beispiel nur der Geltungstrieb z.B. das Protzen mit dem unnötig großen Auto usw. erwähnt, der einem Rangordnungstrieb um die Gunst der Fortpflanzung bei Rudeltieren entspricht und besonders durch den Geschlechtstrieb angeheizt, uns zu auffallendem Benehmen, Machtstreben usw. verleiten kann. Ein manchmal schon zwanghaftes Drängen zu einem bestimmten Verhalten, durch diese in uns weiterhin funktionierende automatische Steuerung, erfolgt auch noch dann, wenn dieses innere Drängen unserer Intelligenz und Einsicht völlig entgegenläuft. In einem solchen Fall kommt es dann zum inneren Konflikt zwischen der alten automatischen seelischen Steuerung und der neu vorhandenen intelligenten Steuerung. Beide untereinander nicht gekoppelte Veranlagungen ringen dann in uns gegeneinander um die Steuergewalt über unser Verhalten.

Als Selbstbeherrschung bezeichnen wir, wenn in uns das auf Intelligenz basierende Wollen sich über das seelische Begehren hinwegsetzen konnte.

Mit der Intelligenz sind wir allerdings nicht in der Lage, unser Verhalten immer zu beherrschen, denn jede Selbstbeherrschung führt zu einem inneren unbefriedigten Begehren und erfordert auch einen gewissen Aufwand an Selbstüberwindung. Daher leben wir zumindest in unbeobachteten Situationen gerne entsprechend unserem seelischen Begehren und lassen uns die meiste Zeit vom inneren Affen steuern.

Aber auch in der Öffentlichkeit, wo selbstbeherrschtes Auftreten für uns sehr wichtig ist, kann jederzeit in einer emotionsgeladenen Stimmung oder in Stresssituationen die Seele derart stark reagieren, dass sie die Intelligenz völlig beiseite drängt und die Regungen und Begehren unseres inneren Affen ganz spontan und in voller Stärke und von keiner kontrollierenden Intelligenz verfälscht durchkommen.

Dass wir Menschen tatsächlich durch die Gefühle der Seele, aber auch durch andressierte Verhaltensweisen genau so wie die Tiere beeinflusst, aber auch zeitweise so gesteuert werden, das kann man besonders bei Kindern noch gut beobachten. Unter vielen anderen tierischen Verhaltensmerkmalen kann man hier, ungeachtet aller Erziehungsmaßnahmen, immer wieder den Futterneid erkennen. Bei Erwachsenen ist dieser Futterneid, durch die Selbstbeherrschung verdrängt und äußert sich daher unter anderem krankhaft als Geldsucht, Habgier und auf manch andere Weise. Auch unsere Angst ist ein Teil dieser noch ganz offensichtlich weiter funktionierenden automatischen seelischen Steuerung, mit der wir von allem, das wir als Gefahr erkennen, auch automatisch ferngehalten werden.

Diese den Tieren gleichartigen Verhaltensweisen deuten nochmals für uns unverkennbar darauf hin, dass wir auch als intelligente Wesen seelisch den Tieren gleich geblieben sind.

Auch unser Körper bezeugt unverkennbar unsere nahe Verwandtschaft mit den Tieren, über die weder unsere Kleidung und auch nicht unser aufrechter Gang hinwegtäuschen können. Die Finger- und Zehnägel sind noch die Krallen und unser Steiß ist der Rest eines früheren Schwanzes. Unsere Ernährung, Verdauung unsere Fortpflanzung usw. an sich der ganze Körper ist organisch und funktional den Tieren gleich geblieben, auch wenn er dem Körper einer eigenen Rasse entspricht.

In Anbetracht dieser unverkennbaren tierischen Körper-Beschaffenheit ist es geradezu naheliegend, dass wir uns daher um so mehr im geistigen und seelischen Bereich von den so primitiven Tieren abgrenzen und über deren Entwicklungsstufe erhaben fühlen wollen. Doch mit derart arroganten menschlichen Wunschvorstellungen war die Natur nicht zu ändern und so werden wir bei etwas realistischer Denkweise begreifen, dass wir auch noch heute nur über einen enorm großen Entwicklungsvorsprung bezüglich der Intelligenz gegenüber den Tieren verfügen. Innerlich sind wir allerdings gleichartig beseelte Wesen wie alle anderen Säugetiere geblieben, die lediglich wegen ihrer Intelligenz hygienischer, komfortabler und selbstbeherrschter leben.

Da unsere Intelligenz aber nur eine gefühlskalte Zusatzveranlagung ist, sind auch wir, so wie die Tiere, nur körperlich und seelisch zu Empfindungen fähig. Auch aus dieser Sicht müssten demnach auch Tiere Gefühlswesen sein, genau so wie wir!

Doch es fällt nicht leicht, unsere innere Höherentwicklung der Gefühle gegenüber den Tieren in Frage zu stellen, vor allem, weil dies an etwas rüttelt, das uns seit der Kindheit eingebleut wurde und das wir bisher, ohne es jemals überprüft zu haben, bis heute ganz und gar als Tatsache betrachteten. Aber andererseits: Wer von uns ist denn heutzutage noch voll egoistisch gesteuert, ohne Mitempfinden und daher voll asozial? Die Urzeiten mit ihren auf tierischem Niveau lebenden Barbaren und Knochenschleckern sind vorbei! Die Menschheit hat sich innerlich schon längst auf einen höheren Stand entwickelt! Wir sind nicht nur intelligente sondern auch soziale Wesen und daher zu etwas Höherstehendem geworden!“

Doch genau das sind nicht nur wir. Auch die Tiere, zumindest bestimmte Tierarten, haben sich ebenso weiter entwickelt. Auch aus ihnen sind inzwischen soziale und sensible Wesen geworden!

Diesbezüglich muss man sich doch nur den Werdegang der Evolution etwas genauer betrachten. Dabei wird dann nicht nur die körperliche Entwicklung der Lebewesen zu immer höheren Entwicklungsstufen hin erkennbar, sondern auch deren seelische Weiterentwicklung. Ja, bei genauerem Betrachten wird es nochmals ganz deutlich: Auch die Tiere haben sich seelisch weiter entwickelt!

Betrachtet man die ältesten Tierarten, z.B. manche Fische, aber auch die in der Entwicklung nachfolgenden Amphibien, so ist bemerkenswert, dass noch viele von ihnen ihren Laich ablegen und sich nicht mehr weiter darum kümmern. Sie überlassen dessen Schicksal der Natur. Dies ist auch bei vielen Insektenarten so üblich. Sie sind noch voll und ganz egoistisch gesteuert. Sie leben noch ganz im seelischen Urantrieb aus Aggression und  Egoismus. Manche dieser Tierarten fressen sogar den eigenen Nachwuchs auf, wenn er ihnen in die Quere kommt.

Die hohen Verluste, bei dieser Art der Fortpflanzung, werden von der Natur dadurch berücksichtigt, dass sie diese mit enorm vielen Eiern ausgleicht und somit den Arterhalt dieser Tiere sichert.

Seelisch bereits etwas höher entwickelte Tiere, darunter auch höher entwickelte Fische, verfügen hingegen schon über ein sogenanntes Brutpflegeverhalten. Sie beschützen und umsorgen ihre Brut. Die dementsprechend geringeren Verluste berücksichtigt die Natur, indem diese Tiere dafür weniger Eier legen. Damit sorgt die Natur mit einer etwas veränderten inneren genetischen Programmierung, dass die Brutpflege keine zu starke Vermehrung begünstigt und so das Naturgleichgewicht erhalten bleibt.

Wenn man bedenkt, dass das Laichverhalten eine altbewährte Methode zur Fortpflanzung darstellte, dann fragt man sich: Wozu war denn dann diese Weiterentwicklung, zu diesem Brutpflegeverhalten überhaupt nützlich, wenn es mit weniger Eiern dem Arterhalt keine Vorteile bringen sollte? Doch daran, dass es dennoch stattfand, kann man die Frage knüpfen: Strebt die Evolution möglicherweise einer seelischen Höherentwicklung zu? Und das sogar in der Tierwelt? Denn solche, mit ihrer Brutpflege seelisch bereits eine Stufe weiter entwickelten Tiere, sind derart veranlagt, dass sie sich selbstlos um ihren Nachwuchs sorgen und teils ihr Leben riskieren, nur um diesen zu beschützen.

Z.B.: Von Vögeln ist bekannt, dass sie beim Brutgeschäft nicht so schnell die Flucht ergreifen als sonst und dass sich einige pickend gegen Nesträuber zur Wehr setzen, vor denen sie normalerweise fliehen würden. Manche Vögel greifen größere Vögel an, um sie aus dem Umfeld ihres Nachwuchses zu vertreiben oder sie präsentieren sich als leichtes Opfer, um so das bedrohliche Tier vom Gelege wegzulocken.

Somit entsteht der Eindruck, als ob, durch den Evolutionsverlauf (mit seiner seelischen Weiterentwicklung in der Tierwelt) die wegen dieser egoistisch-aggressivenen Grundsteuerung an Grausamkeiten strotzende Natur in ersten Ansätzen Versuche unternahm, um den vorhandenen egoistisch funktionierenden Steuerungsautomat der Seele zu verändern. Denn mit dem nun neu dazu gekommenen Brutpflegeverhalten hat diese automatische Steuerung eine völlig neue Komponente dazu gewonnen. Erstmals werden damit zumindest zeitweise egoistische Verhaltensweisen durch eine auf ein anderes Wesen gerichtete Umsorgung überdeckt und somit eine zur Selbstlosigkeit umgekehrte Verhaltensweise erreicht.

Es drängt sich damit der Verdacht auf, als strebe die Natur mit ihrer Weiterentwicklung nach einer seelischen Steuerung für ihre intelligenzlosen Wesen, die irgendwann nicht mehr nach dem egoistisch-aggressiven Grundprinzip, sondern nach einem sozialen, sanfteren Prinzip funktionieren soll.

Bei der Weiterverfolgung des Evolutionsverlaufes findet man nochmals einen Hinweise auf eine genau solche sich abzeichnende Tendenz zur Veränderung dieser automatischen Steuerung. Denn der nachfolgende seelische Entwicklungssprung ging wieder in die gleiche Richtung! Er betrifft die Säugetiere und ist an deren triebhaft veranlagten Mutterliebe erkennbar. Zu diesen am höchsten entwickelten Tiergattungen gehört im Grunde genommen auch der Mensch dazu.

Auch dieses hier erstmals ganz neue Verhalten, diese Liebe und Zärtlichkeit gegenüber dem Nachwuchs, wäre an sich unnötig, da die alte Steuerung und auch das Brutpflegeverhalten, ohne solche Zärtlichkeiten bisher ganz gut zugunsten des Arterhaltes funktioniert hatten.

Ob die Natur tatsächlich von der ursprünglich pur egoistisch programmierten Seelensteuerung abrückt und durch höher entwickelte Tierarten immer mehr einer sozialen seelischen Steuerung zustrebt?

Diese Frage könnte uns einer Antwort, bezüglich der von uns Menschen so oft gestellten Sinnfrage des Lebens, ein Stück näher bringen. Demnach ginge es nicht um noch mehr Brutalität und Macht, sondern um die innere Überwindung des Egoismus und unsere Weiterentwicklung hin zu Mitempfinden, Liebe und Sozialverhalten. Folglich wäre die seelische Verwandlung der Sinn unseres Daseins.

Möglicherweise hat die Natur in dieser Entwicklungsrichtung bereits bei manchen Insektenvölkern, wie den Ameisen oder Bienen, schon weitergehende Ergebnisse als bei den Säugetieren und uns Menschen erzielt? Vielleicht ist bei ihnen durch eine noch höher entwickelte und anders ausgerichtete automatische Steuerung der egoistischen Antrieb bereits ganz von einem sozialen Antrieb überlagert?

Diesen nur kurz angedachten Spekulationen möchte ich jedoch nicht weiter folgen, sondern auf den seelisch gleichen Entwicklungsstand des Menschen mit den Säugetieren zurück kommen.

Diese gleiche seelische Entwicklungsstufe von Mensch und Säugetieren lässt vermuten, dass Säugetiere, sogar ohne einen Funken Intelligenz, als pure Körper-Seelenwesen, zu einem Empfinden befähigt sind, das uns Menschen in nichts nachsteht.

 

Vielleicht mag, dieser Denkweise folgend, der eine oder andere nun  einwenden, dass unsere Seelen von der Beschaffenheit und Funktionsweise zwar den Seelen der Säugetiere gleich seien, dass wir Menschen aber seelisch viel tiefer fühlen, als die Tiere und dass wir uns daher nicht nur durch unsere höhere Intelligenz, sondern auch in unserer seelischen Entwicklung von den Tieren stark abheben.

Dieser Einwand mag vielleicht teils richtig sein, wenn er sich nicht auf den seelisch angeborenen gleichen Zustand, sondern auf den im Lebensverlauf erworbenen erweiterten Zustand bezieht.

Diese Veranlagung, den angeborenen seelischen Ur-Zustand während des Lebensverlaufes zu verändern, schließt jedoch nicht aus, dass auch bereits die Tiere zu seelischem Leiden imstande sind. Dies zeigt sich auch darin, dass nicht wenige Tiere an Trauer um einen verlorenen Partner zugrunde gingen. Auch bei Haustieren ist ein derartiges Verhalten nicht unbekannt, wo Tiere aus Trauer um einen Menschen tagelang die Futteraufnahme verweigern und auch manche Tiere hier aus Trauer starben.

Eine eindeutige Form von tiefem seelischem Leid, aufgrund unerfüllter Sehnsucht oder Trauer, ist auch von Wildvögeln bekannt. Demnach kann es vorkommen, dass ein gefangener Wildvogel aus Sehnsucht nach seiner verlorenen Freiheit trauert und daran stirbt.

In einem Schlachthof sah ich einmal eine weinende Kuh.

Dies mag jetzt manchem als übertrieben erscheinen, aber die Kuh stand starr vor Entsetzen. Nur ein leichtes schnelles Zittern der Angst durchbebte ihren Körper und aus beiden Augen kullerten unentwegt die Tränen.

Eine Bäuerin konnte mir später bestätigen, dass empfindsamen Kühen manchmal die Augen tränen, wenn man ihnen ihr Kalb wegnimmt und dass meine Beobachtung in dem Schlachthof vermutlich nichts mit einer Augenkrankheit, sondern tatsächlich mit dem seelischen Leid des Tieres zu tun hatte und dass diese Kuh wirklich weinte.

Auch ist von manchen Hunden bekannt, dass sie die Trauer ihres menschlichen Betreuers erspüren und durch Belecken diesen zu trösten versuchen und dass sie demnach auch zu Mitempfinden fähig sind. Dass Tiere ihr Empfinden nur auf ihre eigene artspezifische Weise zum Ausdruck bringen können, das ist wohl nicht weniger einleuchtend wie eben dieses Faktum, dass deren anderes Verhalten uns nicht derart stark anspricht, wie eine menschliche Ausdrucksweise dies könnte. Aber unser geringeres Ansprechen auf diese andersartige Ausdrucksformen der Gefühle täuscht uns leicht über das tatsächliche Empfinden andersartiger Wesen.

Manchem Hund ist es dennoch längst gelungen, beim Wiedersehen mit seinem Frauchen oder Herrchen durch seine offene echte Gefühlsdarbietungen der Freude, diese davon zu überzeugen, dass auch Tiere zu außergewöhnlich starken und tiefen Gefühlen fähig sind.

 

Zu dem Einwand, wonach ein Mensch zu tieferem Gefühl als ein Tier befähigt sei, muss noch angemerkt werden, dass nicht alle Menschen seelisch weit entwickelt und somit tief empfindsam sind. Dies zeigt sich an so manchen rücksichtslosen und mitleidslosen Erfolgsmenschen und an manchem gefühlskalten und brutalen Verbrecher.

Doch auch eine feinere Gefühlsentwicklung und Empfindungsfähigkeit ist noch kein eindeutiger Hinweis auf eine begonnene seelische Wandlung und Höherentwicklung, denn diese nur gekoppelt mit der alten seelisch-egoistischen Grundveranlagung führt lediglich zu der Fähigkeit von tiefer Sehnsucht und Trauer, bis hin zu Selbstmitleid, Melancholie und depressiven Verstimmungen. Eine seelische Höherentwicklung erkennt man hingegen an der Fähigkeit des Mitgefühls und der beschützenden Liebe bezüglich eines anderen Wesens.

Und genau das alles ist auch bei Säugetieren bezüglich des eigenen Nachwuchses sehr oft deutlichst ausgeprägt. Auch das bestärkt in der Annahme, dass Tiere genauso intensiv fühlen können, wie wir Menschen. Ja, sogar intensiver als manche Menschen. Auch bei Tieren kann es daher sein, dass ihnen nicht nur über die Aggression, sondern auch über Freude, Mitgefühl und Liebe seelische Antriebsenergie zukommt oder dass auch ihnen bei Trauer und Depressionen der seelische Antrieb schwindet.

Derartige als menschlich eingeschätzte Merkmale existieren aber nachweisbar auch in den Tieren.

 

Auch wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen es, dass eine tiefe innere Empfindungsfähigkeit niemandem angeboren ist. Angeboren ist der egoistische Urzustand, angeboren ist aber auch die Veranlagung, um unter entsprechenden Voraussetzungen, ein tieferes Empfinden der Seele heranzubilden. Bei menschlichen Kindern kann sich unter günstigen Umständen ab dem 2. bis 3. Lebensjahr bereits ein Mitempfinden gebildet haben. Bei ungünstigen Voraussetzungen kommt eine derartig Entwicklung bei manchen Menschen nie zustande.

Über diese Veranlagung zur Vertiefung seelischen Empfindens verfügen aber wieder einmal nicht nur wir Menschen, sondern auch die Tiere. Das bedeutet, dass manche gefühlskalte Menschen in ihrer seelischen Höherentwicklung während des Lebensverlaufes von vielen Tieren überholt werden. Viele Tiere sind demnach zu mehr Freude, aber auch zu stärkerem seelischen Leiden fähig, als solche sich seelisch nicht mehr weiter entwickelte und auf dem untersten Stadium verharrende Menschen.

Will man daher beurteilen, ob ein Tier innerlich empfindsamer als ein Mensch ist, so kommt es schließlich ganz auf den Vergleich an, was für ein Tier man mit welchem Menschen vergleicht.

Will man hingegen einen pauschalen Vergleich zwischen Tier und Mensch anstellen, so ist die jeweilige Mutter-Funktion bezüglich ihrer Förderung von dieser vorhandenen Veranlagung, sowie eine mögliche Einwirkung unserer Intelligenz genauer zu betrachten:

Mit der triebhaften Mutterliebe, als der vorerst letzten naturgegebenen Stufe der seelischen Weiterentwicklung, sorgt die Natur dafür, dass bei Säugetieren genau wie bei Menschen der Nachwuchs sofort nach der Geburt bis zu seinem Erwachsen-Sein mit Zuneigung und Zärtlichkeit umsorgt wird.

So kommt es im Normalfall automatisch dazu, dass eine beim Nachwuchs vorhandene Ansprechbarkeit der Gefühle durch das Mutterwesen und dessen Zärtlichkeiten auch angesprochen wird, was damit in dem jungen Wesen die Entwicklung der Gefühle und sein soziales Verhalten fördert. So entsteht dann bei ihm mit der Zeit ein Verhaltensmerkmal, das zeitweise schon mehr soziale, als egoistische Charaktermerkmale hat.

Eine solche frühkindliche Einwirkung von Zärtlichkeit oder auch körperlicher Berührung ist für ein späteres Sozialverhalten im Rudel, bzw. im Familienverband äußerst wichtig.

Mit einer solchen Mutter-Kind-Beziehung sorgt die Natur damit auch bei den Säugetieren für eine seelische Weiterentwicklung über den angeborenen Zustand hinaus, die auch diese Tiere zu ihrem manchmal deutlich erkennbaren tieferen Empfinden und sozialen Verhalten befähigt.

Dass Tiere bei liebevollem Kindheitsverlauf zu tiefem Empfinden fähig werden können, kann auch mit einigen Haustierarten jederzeit experimentell nachgewiesen werden, wenn man ab deren Kindheit schon sehr liebevoll mit ihnen umgeht und sie in die Familie wie in ein Rudel integriert.

Eine starke Störung der Mutter-Kind-Beziehung ist später nur schwer wieder gut zu machen und führt oft dazu, dass der Nachwuchs eine diesbezügliche seelische Weiterentwicklung nur noch schwerlich erreichen kann und in seinem Verhalten auf der niedrigeren egoistischen Entwicklungsstufe stehen bleiben könnte.

Beim Menschen kann sich dies später darin äußern, dass dieser kaum noch für tiefere Gefühle empfänglich ist und nur noch ausschließlich wie ein seelisch niedrig entwickeltes Tier triebhaft und brutal nach Erfüllung seines Begehrens trachtet und seine ganze Intelligenz nur für diese Zwecke einsetzt. Hier wird die Intelligenz in der Regel dann auch nicht dazu genutzt, um das eigene Leben nach höheren Weisen zu richten, sondern da verkommt die Intelligenz zu einem Werkzeug für den inneren Affen, mit dem der sich nur um so nachhaltiger seine egoistischen, instinktgesteuerten Bedürfnisse befriedigen kann. Das Ergebnis einer solchen menschlichen Lebensweise ist eine nur noch nachhaltigere egoistische Lebensform, die damit dem bisher erkennbaren Entwicklungsweg der Evolution sogar voll entgegen gerichtet ist und die das seinem Umfeld zugefügte Leid sogar noch vermehrt, anstatt es zu mindern.

Vielleicht um solche für das Umfeld katastrophale Fehlentwicklungen zu vermeiden, sorgt die Natur dafür, dass Defizite von Geborgenheit und Zärtlichkeit nicht zwangsläufig zu einem Scheitern in der seelischen Weiterentwicklung führen, denn da, wo ein seelisches Begehren nicht sofort erfüllt wird, kann sich eine innere Stimmung wie Sehnsucht oder Trauer einstellen und auch diese Gefühle können ein tiefes seelisches Empfinden bilden. So kann auch dies ein Weg sein, um zu Mitgefühl mit anderen zu finden.

Man sieht daran, dass die Natur auch noch unter ungünstigen Umständen dafür sorgt, dass das Entwicklungsziel erreichbar wird und es vielleicht irgendwie wichtig sein könnte, dass möglichst wenige scheitern.

Eine weitere Hilfestellung der Natur zu einer noch etwas höheren seelischen Reifung erfährt Mensch wie Tier dann einen Lebensabschnitt später mit der eigenen Elternschaft. Waren es bisher Mitempfinden und soziale Einordnung, welche wenigstens zeitweise den egoistischen Antrieb überdeckten, so kommt es nun zu einem oft selbstlosen Umsorgen und Verströmen von Zärtlichkeit und Liebe zugunsten des Nachwuchses.

So entstehen dann auch bei Tieren über die Gefühle innere Bindungen und somit auch Mitgefühl oder Leid und Trauer beim Verlust eines nahestehenden Wesens.

Demnach müsste man davon ausgehen, dass Tiere, zumindest unter gleichen äußeren Einwirkungen, zu ebensolchem inneren Empfinden und Leiden wie wir Menschen befähigt sind.

Wer weiß, ob nicht mit der Zeit – wie bei so vielen Veränderungen im Evolutionsverlauf – diese erst nach der Geburt erfolgende seelische Weiterentwicklung sich auch irgendwann einmal genetisch verankern soll, um irgendwann später dann vielleicht angeboren zu sein und somit automatisch gegeben zu werden?

 

Allerdings kann ein Mensch aufgrund seiner Intelligenz an sich und seiner seelischen Entwicklung arbeiten. Er kann sich z.B. in die Situationen anderer Wesen hineindenken, Zusammenhänge bezüglich deren Verhaltens verstehen und auf diesem Weg eventuell auch ein inneres Mitempfinden stärker fördern als ein Tier, welches hingegen nur bei einer seelischen Gefühlsübertragung (ähnlich der telepathischen Gedankenübertragung) mitempfinden kann. Das können Tiere dafür aber oft besser als wir Menschen.

Auch durch unser Denken und durch Selbstsuggestitionen können wir manches von unserem seelischen Befinden beeinflussen. Das ist auch etwas, zu dem Tiere mangels Intelligenz nicht fähig sind.

Andererseits vernachlässigen wir die vorhandene seelische Entwicklungsfähigkeit oftmals viel zu sehr. In manchen Fällen wird sogar ganz bewusst nur nach hohem IQ oder weitreichendem Wissensstand gestrebt. Und mancher Mensch ist sogar, wegen falscher Ideale, um seine  Verrohung und Rückwärtsentwicklung bemüht.

Ein weiteres Problem auf menschlicher Seite ist die grundlegend wichtige, aber oft vernachlässigte natürliche Bemutterung des Nachwuchses. Da ist bei unserer Gattung oft gleich nach der Geburt für viele Babys der Brutkasten und ein damit fehlender Mutterkontakt. Dann ist es bei manchen menschlichen Müttern aus unterschiedlichen Gründen mit dem Stillen nicht so, wie es natürlicherweise sein sollte. Weiterer Liebesmangel besteht für viele Kinder auch noch danach, weil die Mutter durch Geldnot oder Karriere-Streben bzw. Berufsstand sich nicht so intensiv um ihr Kind kümmern kann, wie dies für eine wild lebende Tiermutter selbstverständlich ist.

Daher dürfte man nicht einfach verallgemeinern, dass Menschen in ihrem Lebensverlauf seelisch empfindsamer und schließlich auch sozialer werden, als Tiere.

 

Das mangels Intelligenz spontane und jeder seelischen Regung folgende Verhalten der Tiere weckte vielleicht in manchen sehr oberflächlich beobachtenden Menschen den Eindruck, als seien dies einfache Triebwesen, die nur körperliche Schmerzen verspüren könnten. Auch unser hoher Lebenskomfort, Luxus, Auto usw. täuschen uns. Wir machen uns damit nur selber etwas vor. Man erkennt diese zu sehr abgehobene Selbsteinschätzung auch an unserer rücksichtslosen Ausbeutung und Zerstörung der Umwelt. Dies bezeugt es deutlich genug, dass die Menschheit (vor allem der weiße Mensch mit seiner technischen Errungenschaft) bisher nicht gerade intelligent weitsichtig und umsichtig, sondern innerlich sehr unentwickelt, auf niedrigstem egoistischem Niveau gelebt hat und dabei nicht nur die Natur, sondern auch sich gegenseitig ausgebeutet und sogar bekämpft hat.

Aus dieser Perspektive sieht man, dass wir den Tieren noch sehr, sehr nahe stehen und unsere Denkfähigkeit nichts wirklich besseres aus uns hat werden lassen. Wir leben eigentlich auch mit Intelligenz vorwiegend seelisch (tierisch) gesteuert, nur unserer technischen Möglichkeiten gemäß auf komfortablere Weise.

Hinsichtlich unserer mit Stolz getragenen Intelligenz, sollten wir uns der bisherigen Selbsttäuschung gewahr werden und dazu fähig sein, diese Fehleinschätzung zu korrigieren und die uns gleichgestellte seelische Leidensfähigkeit der Tiere anerkennen. Ja, vielleicht sogar anerkennen, dass das Tier (als ein von keinen Gedanken abgelenktes und somit ungestört funktionierendes Körper-Seelenwesen) von seinen Gefühlen derart stark beherrscht ist, dass seine Tötung der eines menschlichen Kindes identisch sein könnte.

Doch wer von uns kann wirklich alles wissen, was Tiere spüren und ob sie gar tieferschichtig als wir empfinden? Oder wer von uns weiß wirklich was gefühlsmäßig in einem Bussard alles abläuft, wenn er so in zweitausend Meter Höhe den Segelflug über der unter ihm weit ausgebreiteten Landschaft genießt? Auf der Suche nach Mäusen kann er ja dort oben nicht sein. Oder wie empfindet eine Tiermutter die an einem geschützten Ort ihre Jungen säugt? Oder wie ergeht es zwei flirtenden Schmetterlingen im Sonnenschein?

Vielleicht nehmen wir Menschen uns nur zu wichtig und haben daher zu wenig Respekt vor den Gefühlen anderer.

 

 

Nach allen diesen geschilderten Anhaltspunkten

 

ist das Töten von Tieren – dazu gehören auch

 

die Wildtiere – zwar juristisch bedeutungslos,

 

aber ein gleich schweres Verbrechen an der Seele

 

eines solchen Wesens und gegen dessen Gefühle,

 

wie es bei manchem Menschen

 

nicht schlimmer wirken könnte.

 

 

 

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