Regulation der Wildbestände ohne Jagd

  

 

Die Schädlichkeit von Reh- und Rotwild ist ein Resultat ihrer Bejagung mit Gewehren. Wie bereits in dem Kapitel ‚Durch die Jagd wird das Wild scheu gemacht‘, schon ausführlich dargestellt, war das Rotwild früher mehr ein Steppen- und das Rehwild ein Buschlandbewohner. In diesem Lebensraum waren diese Tiere für die Natur unschädlich. Mit ihrer natürlichen Veranlagung, Raubtiere rechtzeitig zu erkennen und sich in Sicherheit zu bringen, konnten sie dort auch ohne große Ängste leben. Erst seit ihrer menschliche Bejagung, mittels der über große Distanzen wirkenden Schusswaffen, wurden diese Tiere ihrer natürlichen Fähigkeit beraubt,  drohende Lebensgefahr rechtzeitig zu erkennen, um ihr zu entkommen.

Ihre Verunsicherung durch dieses, nun nicht mehr vorhersehbare und besonders in freiem Gelände nun überall und plötzlich über sie  hereinbrechende Unglück, mit diesen Schusswaffen, das ist der Grund, weshalb sich diese Tiere nun ängstlich im Wald verstecken. Die nun schon sehr lang andauernde Bejagung mit solchen Schusswaffen, dazu der immer mehr zugenommene Jagddruck, wegen der von den Hobby-Jägern absichtlich hochgehegten Tierbestände, hat inzwischen zur völligen Lebensraumverlagerung dieser Tiere geführt und sogar deren Lebensrhythmus verändert. Nur noch ein Angstdasein fristend sind diese ehemaligen Tagtiere nun auch noch zu Nachttieren geworden.

Hier im Wald, in ihrem nicht artgerechten Lebensraum, verbringen die Tiere hungernd und gut versteckt ihre Tageszeit in den Dickichten der Jungbaumbestände. Dabei richten sie durch das Verbeißen der Triebe an den jungen Bäumen enorme forstwirtschaftliche Schäden an.

Das erste und sinnvollste was dagegen schon vor Jahrzehnten hätte dringend geschehen müssen, das wäre ein rigoroses Verbot dieser alles verschlimmernden Spaß-Jagd mitsamt ihrer Hege und der damit zielstrebigen Bestandserhöhung dieser Tiere, nur zur Erhöhung der Jagdfreuden! Diesbezüglich waren Stimmen einiger Förster hörbar geworden, die alternativ eine Bejagung nach ihrer Sichtweise forderten. Mittels Drückjagden möchten sie diese nun im Wald lebenden Tierbestände so weit reduzieren, bis diese, wegen ihrer dann geringen Anzahl, keine enormen Schäden mehr anrichten können.

Doch auch das ist nicht die richtige Lösung, da mit dieser alternativen Jagdform zwar die Wildschäden drastisch reduziert, aber die eigentliche Ursache des ganzen Problems nicht angegangen wird.

Eine an die Wurzel des Problems gehende Lösung kann daher nur eine jagdfreie Lösung sein.

Obwohl ich mich in diesem Kapitel schwerpunktmäßig genau dieser jagdfreien Lösung widme, möchte ich mich dennoch kurz auf diese jagdliche Alternative der Förster einlassen. Ich möchte damit den Skeptikern der jagdfreien Lösung zeigen, dass auch dann, wenn es örtlich mit dieser jagdfreien Lösung zu Schwierigkeiten kommen würde, immer noch diese effektive jagdliche Methode zur Nachregulierung bleibt und niemand, außer die Hobby-Jäger, dieser sinnlosen und enorm schädlichen Hobby-Jagd nachtrauern werden.

 

Die Vorteile der bereits bewährten jagdlichen Alternative der Förster gegenüber der Hobby-Jagd sind:

 

Die Nachteile dieser Jagdmethode:

 

Die Hobby-Jagd ist sehr einfach durch diese sinnvollere Jagdpraxis ersetzbar.

In Anbetracht einer solchen, örtlich schon altbewährten jagdlichen Alternative, ist die weitere Duldung der Hobby-Jagd nur noch ein charakterliches Armutszeugnis seitens der verantwortlichen Politiker.

Wichtig bei einer Umstellung auf diese Jagdmethode der Förster ist, dass die Hobby-Jagd dabei verboten bleibt. Das heißt: Es dürfen keinesfalls forstlich nicht ausgebildete oder sogar zahlungskräftige Gastschützen zugelassen und auch keine Diplomatenjagden mehr durchgeführt werden. Genau dies könnte ansonsten forstlicherseits wieder zu einer verdeckten Hege und  Wildtierzucht führen, nur um auch aus diesem Bereich entsprechende Einkommen oder private Begünstigungen zu erzielen. Auch würde diese Jagdform dann nicht mehr 1-3 Tage sondern wieder das ganze Jahr andauern.

 

Ich will mich an dieser Stelle nicht noch ausführlicher auf diese, anstelle der Hobby-Jagd mögliche und bessere alternative Jagdform der Förster einlassen. Es genügt sie vorgestellt zu haben, um den Skeptikern die Angst vor einem Risiko bei der Umstellung auf die jagdfreie Lösung zu nehmen und aufzuzeigen, dass bei einer eventuell sich örtlich einstellenden Notwendigkeit einer Nachregulierung diese sehr effektiv möglich ist.

 

Die jagdfreie Lösung:

 

In vielen Gegenden gibt es ungenutztes Land, dies liegt besonders oft in Waldrandnähe. Des weiteren gibt es auch große Wiesenbereiche, besonders in den Talsenken rechts und links der Bäche und Flüsse. Ein Teil davon wird heute nur noch auf Kosten des Steuerzahlers mit Maschinen und subventionierter Schafhaltung offen gehalten. Wildschäden durch Reh- und Rotwild sind auf solchen Naturflächen deshalb nicht mehr möglich, da die mangels Kulturpflanzen dort nicht mehr entstehen können. Auch auf alten Beständen von Streuobstwiesen können diese derzeit stark bejagten Wildtiere wegen der alten dick berindeten Baumstämme keine nennenswerten Schäden anrichten.

Auf derartigen Naturflächen weiterhin die Jagd auszuüben ist daher, auch aus der Sicht der Wildschadensverhütung, blanker Unsinn.

In solchen, manchmal vom Waldrand, bis an den entfernten Dorfrand reichenden Gebieten müsste die Jagd wegen ihrer Unsinnigkeit strikt verboten sein.

Durch ein Jagdverbot entstünden dann in diesen Naturbereichen endlich wieder die bisher fehlenden und dringend nötigen Lebensräume für die Wildtiere, wo sie ganz frei vom bisherigen Jagddruck und frei von Angst leben könnten.

Aber auch da, wo in Waldnähe nicht genügend ungenutzte Flächen vorhanden sind, könnten in den Randbereichen der Wälder lichte Waldflächen mit kräuter- und gräserbewachsenem Waldboden durch forstliches Auslichten einfach geschaffen werden, um damit wieder einen artgerechten Lebensraum gerade für das Reh- und Rotwild zu schaffen. Als Ersatz für diese forstwirtschaftlich dann weniger ertragreichen Flächen gäbe es die vielen wieder aufforstbaren Schießschneißen, Kahlhiebe, Wildäcker und Waldwiesen, die doch bisher mitten im Wald wegen der Hobby-Jagd extra geschaffen wurden und die Holzanbaufläche sowieso gemindert hatten.

 

Ein dauerhaftes Jagdverbot in den Waldrand und Außenbereichen würde die jagdlich bedingte Menschenscheu dieser Wildtiere weitestgehend beseitigen, so dass diese sich wie früher zur Nahrungsaufnahme auf die Wiesen wieder heraus getrauen. Besonders das für unsere Forstwirtschaft derzeit sehr schädliche Reh- und Hirschwild wird dann kaum noch nennenswerte Waldwildschäden anrichten, wenn es im Kern der Wälder fast nicht mehr anzutreffen ist.

Damit würden alle in diesem Zusammenhang mittlerweile im Wald aufgetretenen Probleme ohne weiteren Aufwand wie von selbst verschwinden.

Das wird den Forstbetrieben zugleich eine mit weniger Aufwand zu betreibende und auch weniger Verluste bescherende Wirtschaftsweise ermöglichen.

Demnach kann ein generelles Jagdverbot mit der Zeit der Forstwirtschaft genau so gute oder noch bessere Ergebnisse bringen, wie die mittels Drückjagden mancherorts in Gang gekommene brutale Reduzierung der Tierbestände.

Zudem könnten dann außerhalb der Wälder, anstelle der staatlich subventionierten Maschinen und Schafherden, nun auch die Wildtiere, ihren natürlichen Anteil zur Offenhaltung der Landschaft mit beitragen.

 

Nach Einstellung der Jagd werden die überaus verängstigten Tiere jedoch nicht von heute auf morgen, sondern erst nach einiger Zeit ihre Angst verlieren, um in diese kräuterbewachsenen Naturbereiche zurückzukehren, wo sie dann wieder schadlos und artgerecht leben könnten.

Um diese Übergangszeit zu verkürzen und um auch neue Waldwildschäden möglichst schon sofort zu reduzieren, hätte man die Möglichkeit die alte jägerische Praxis der Wildfütterung vorübergehend und kurzfristig anzuwenden.

Diese Wildfütterungen könnten dann immer weiter aus den Wäldern hinaus verlegt werden, bis sie, wegen der außerhalb der Wälder üppig vorhandenen Vegetation, nicht mehr nötig sind. Die Fütterungen wären auch sehr vorteilhaft, bezüglich eines schnelleren Abbaues dieser dem Wild mit der Jagd andressierten Menschenscheu.

Durch das Beimischen von fruchtbarkeitshemmenden Mitteln wäre in dieser Zeit auch ein Ansteigen der Nachwuchsbestände zu umgehen, etwas das wegen dieser Fütterungen ansonsten begünstigt würde.

Die jagdfreie Methode würde mit der Zeit auch eine enorme Steigerung des Naturgenusses für die Bevölkerung mit sich bringen. Denn die sich wieder ergebenden Beobachtungsmöglichkeiten der dann relativ angstfreien Wildtiere werden den Erlebniswert der Natur für uns ganz erheblich aufwerten. Denn der Waldbestand, das Wild und die in der Natur Erholung suchende Bevölkerung sind keinesfalls unvereinbare Gegensätze, sobald der wirkliche Störfaktor, nämlich die Jagd und hier vornehmlich die extrem und künstlich übertriebene Hobby-Jagd abgeschafft und mit ihr der enorme Jagddruck von den Tieren genommen ist.

 

Mit schadenfroher Miene verweisen die Hobby-Jäger bei solchen Gedanken auf einen Versuch im Kanton Genf (Schweiz) und auf eine dort, wegen enormer Wildschäden, nun notgedrungen wieder aufgenommenen Bejagung. Selbstsicher verbreitet man seither wieder, mit Hinweis auf Genf, die alte Parole „Jagd muss sein!“.

Doch die im Kanton Genf wieder aufgenommene Bejagung war nicht wegen irgendwelcher Wildschäden am Wald, sondern wegen der zunehmenden landwirtschaftlichen Wildschäden erfolgt.

Diese Erfahrung ändert aber nichts an der Tatsache, dass in land- und forstwirtschaftlich ungenutzten Naturbereichen, weiterhin  Wildtiere unbejagt leben können, da wegen fehlender Kulturpflanzen Wildschäden dort nicht möglich sind.

Probleme mit unbejagten und unverängstigten Wildtieren gibt es, nach einer Rückkehr in ihren artgerechteren Lebensraum, weder in den Wäldern, noch in dem diesen Tieren zugestandenen Lebensraum, sondern nur dort, wo diese Bereiche an landwirtschaftlich genutzte Flächen angrenzen. Hier, in diesen Grenzbereichen entstehen dann nicht nur landwirtschaftliche Wildschäden, sondern wegen dem Nahrungsüberangebot auch eine viel üppigere und somit unnatürlich erhöhte Vermehrung der Tiere.

Nach einem längeren Jagdverbot wäre jedoch die Wiederaufnahme der Jagd grundverkehrt, denn sie würde nur ein Zurückverlagern des Wildschadensproblems bringen, in dem Fall von der Landwirtschaft wieder zurück zur Forstwirtschaft.

Daher werden in den Grenzbereichen zwischen den naturbelassenen und den landwirtschaftlich genutzten Arealen bestimmte Schutzmaßnahmen notwendig, um Wildschäden in der Landwirtschaft und eine unnatürlich erhöhte Vermehrung der Tiere zu verhindern.

Doch dazu braucht man keine Gewehre.

Längst haben sich die Schutzzäune da viel besser bewährt.

Mancherorts, vor allem in der Nähe von Maronenwäldern, gingen sogar schon die Hobby-Jäger dazu über, auf eigene Kosten landwirtschaftliche Flächen einzuzäunen. Damit nutzten diese sogar selbst Zäune, anstatt Gewehre, um Wildschäden zu verhüten. Auf diese Art war es ihnen möglich sich einerseits neben erhöhten Reh- und Rotwildbeständen auch noch unnatürlich stark überhöhte Schwarzwildbestände und damit ein erhöhtes Jagdvergnügen zu leisten und sich andererseits dennoch vor unnötig hohen Schadenszahlungen gegenüber den Bauern zu schützen.

Doch auch unsere Forstwirtschaft musste bisher, mit den von Hobby-Jägern künstlich überhöhten und wegen ihrer Verängstigung in die Wälder getriebenen waldschädlichen Reh- und Rotwildbestände  auskommen und um ihr wirtschaftliches Überleben viele Jahrzehnte lang kämpfen. In dieser Zeit waren auch für sie Einzäunungen die wichtigsten und wirksamsten Mittel zur Wildschadensabwehr und wurden daher sehr umfangreich angewendet.

Warum sollte da, nach Beendigung der Jagd, nicht auch weiterhin mit Einzäunungen ein guter Schutz der Landwirtschaft vor Wildschäden möglich sein?

Da es zukünftig dabei nur noch um den Zaunschutz der Randbereiche zwischen Wald oder den naturbelassenen Flächen gegenüber den landwirtschaftlich genützten Arealen geht, sind die bisherigen kleinräumigen Rundumzäunungen nicht mehr nötig. Statt dessen genügen dann einfache Trennzäune über große Bereiche hinweg. Dies würden für einen effektiven Zaunschutz nur noch etwa 1/100stel bis 3/100stel der bisherigen Zaunlängen und Zaunkosten erfordern, wenn man die Zaunkosten auf die insgesamt geschützte Fläche umlegt.

Zum Beispiel: Ein 1ha großer Maisacker oder eine 1ha große Wiederaufforstungsfläche von angenommen 50m x 200m erforderte bei der bisherigen Rundumzäunung 500m Zaunschutz.

Dagegen schützt z.B. eine 5km lange Zauntrennlinie zwischen Naturfläche und 2km breitem Agrar-Land mit ihren 5000m Zaunlänge etwa 1000ha Ackerland. Das wären je Hektar geschützter Agrarfläche nur noch 5m Zaunlänge gegenüber dem vorherigen Beispiel einer Rundumzäunung die 500m Zaun je Hektar erfordert.

Nach diesem Vergleich sind je geschütztem Hektar Land nur noch 1% Zaunlänge erforderlich, gegenüber der bisherigen kleinräumigen Methode.

Wenn ich dieses Beispiel zur besseren Veranschaulichung auf die Größe eines Gartenstücks von 500qm umrechne, dann ergibt dies eine anteilmäßige Zaunlänge von nur noch 0,25m!

Dies ist nur ein Beispiel. In der Praxis wird es von Fall zu Fall mehr oder auch weniger werden. Und da wo weder Wald noch Naturbereiche in der Nähe liegen, bedarf es überhaupt keiner Schutzzäune. Auch dort wo keine Landbewirtschaftung erfolgt z.B. in manchen Hanglagen, wo es um die Dörfer nur noch Natur gibt, braucht man diese Zäune nicht.

Wegen der so nur noch im einstelligen Prozentbereich liegenden Zaunlänge, je Hektar zu schützender Ackerfläche, als Wildschadensschutz vor den unbejagden Wildtieren, lohnt es sich, die zuverlässigeren und langlebigeren und daher fünfmal so teueren Stahlmatten-Massivzäune zu verwenden. Deren Anwendung ist auch daher lohnenswert, da solche Trennzäune nicht nur 1-10 Jahre, wie die bisherigen Rundumzäunungen, sondern mindestens 40 Jahre zuverlässig dauerhaften Wildschutz bieten. Die hohe Lebensdauer solcher Massivzäune würde den Wildschutz pro Jahr und Hektar Land gerechnet, unterm Strich auch nicht nennenswert teuerer machen.

Komme ich zur besseren Vergleichbarkeit auf mein 500qm Gartenstück zurück so käme dessen Kostenanteil mit seinen 0,25m Zaunanteil bei  80DM Massivzaunkosten je Meter Zaunlänge auf 20 DM und dies bei 40 Jahren Zaunbestand. Damit würde ein guter, zuverlässiger Wildschadensschutz pro Jahr für eine solche Gartengröße gerade mal 50 Pfennige kosten.

Ich will mit diesem Beispiel keine perfekte Kostenanalysen erstellen, sondern nur aufzeigen, dass großflächiger Zaunschutz wesentlich billiger ist, als das derzeitige kleinkarierte Handeln und dass ein Schutz gegen Wildschäden mit Massivzäunen nicht nur sehr zuverlässig und dauerhaft, sondern auch sehr billig sein kann und damit realisierbar ist. Auch demnach können Trennzäune zu einer ernst zu nehmenden Alternative gegenüber der Jagd werden, sobald nur der politische Wille dazu da ist.

Die Abkehr von der kostenaufwendigen kleinräumigen Rundumzäunung ist im Wald jedoch nur möglich, wenn die Reh- und Rotwildbestände dort, wegen Reduzierung oder ihrer Abwanderung nach draußen, so gering geworden sind, dass man die Zäunungen im Wald nicht mehr braucht. Und genau dies kann die jagdfreie Lösung bieten.

Nach Einstellung der Hobby-Jagd könnten im Wald derart große Einsparungen an Zaunkosten entstehen, dass man schon mit diesem Geld locker die dafür erforderlichen Trennzäune zur Landwirtschaft finanzieren könnte. Immerhin waren der Forstwirtschaft bisher jährliche(!) Einzäunungskosten in Höhe von 250 Millionen Mark entstanden. So eine Veröffentlichung aus dem Jahr 1996, in den Nachrichten des Rheinland-Pfälzischen Gemeinde- und Städtebundes.

Auch blieben uns in der Forstwirtschaft, wegen der dann weniger in den Wäldern lebenden Tiere, die noch weit höheren Kosten einer bisher erforderlichen künstlichen Wiederaufforstung erspart, da der Wald dann endlich wieder auf natürliche Weise und somit kostenlos nachwachsen könnte. Des weiteren entfielen auch die bisher enorm hohen Waldwildschäden am Jungbaumbestand.

Somit entstünde durch ein Jagdverbot nicht einfach nur eine neue Kostenbelastung zum Schutz der landwirtschaftlichen Flächen, sondern insgesamt eine Kosteneinsparung, wegen der entfallenden forstwirtschaftlichen Belastungen.

Die Landwirte hingegen könnten, wegen einer jeweils das gesamte Areal weiträumig umspannenden und nicht mehr direkt auf den Grundstücksgrenzen verlaufenden Einzäunungen, unbehindert arbeiten, etwas das ja derzeit bei den vielen kleinflächig betriebenen Schutzzäune der Jäger nicht der Fall ist.

Auf allen übrigen nicht eingezäunten und ungenutzten offenen Flächen und in den Waldrandbereichen könnten die unbejagten Wildtiere ungestört leben und sie würden dabei weder der Landwirtschaft noch der Forstwirtschaft nennenswerte Schäden bescheren.

 

Solche Gedanken, an ein jagdfreies Nebeneinander von Forstwirtschaft, Landwirtschaft und Wildtieren, die können unseren Freizeitjägern nur noch ein gequältes Stöhnen entlocken. Denn diesbezüglich müssen sie es sogar selber einsehen, dass solche Schäden durch größeres Wild mit Zäunen tatsächlich zu verhindern sind. Sie hätten ja sonst nicht selber eingezäunt!

„Aber“ – werden sie einwenden – „das Niederwild! Das schädliche Niederwild muss zum Schutz der Landwirtschaft weiter bejagt werden! Daher wird, ohne uns Hobby-Jäger, das alles nicht funktionieren!“

Doch auch Massivzäune können im unteren Bereich, ohne großen finanziellen Aufwand mittels kleinmaschigem Zaun auch für Kleintiere unpassierbar gemacht werden. Und innerhalb der Agrarfläche hat das Niederwild wegen unserer industrialisierten Landwirtschaft sowieso schon lange fast keine Überlebenschance mehr. Auf diesen Flächen lebende Kleintiere sind dort so selten geworden, dass sie kaum noch nennenswerte landwirtschaftlichen Schäden anrichten können. Und wenn doch, dann nur, weil sie dort in diesen extra für die Niederwildjagd angelegten Grünstreifen einen neuen Überlebensraum gefunden haben. Einige Wildtiere sind ja auch nur deshalb in ihrem Bestand bedroht, weil ihnen die industrialisierte Landwirtschaft den Lebensraum entzog. Selbst für den Kaninchenbestand bleibt direkt auf solchen Ackerflächen kein einziger Zentimeter Platz für einen Kaninchenbau zu graben, da solche Flächen jährlich mehrfach mittels schwerer Maschinen bearbeitet werden. Auch wäre mit dem Verbot der Hobby-Jagd die Jagd auf den Fuchs verboten. Und der würde sogar noch die landwirtschaftlichen Wildschäden verhindern, die durch Feldmäuse entstehen und die den Hobby-Jägern sowieso egal waren. Daher wird das Niederwild, auch ohne die Hobby-Jagd, der Landwirtschaft kaum noch Probleme bescheren.

 

Sogar dann, wenn in einer jagdfreien Natur Störungen des Artengleichgewichts einmal auftreten würden, etwas das immerhin als Nebeneffekt an den Berührungsstellen der Natur mit unserer Zivilisation nicht ganz auszuschließen wäre, sollte keinesfalls wieder zu den Gewehren gegriffen werden, denn dies würde nur das derzeitige Desaster erneut auslösen.

Menschliche nachregulierende Eingriffe sollten daher in unserer Zeit auf menschenwürdige Weise geschehen. Dazu wäre die bisher, zu Gunsten der Hobby-Jagd, verdrängte Möglichkeit der Anwendung von fruchtbarkeitshemmenden Mitteln genannt. Hier ist sicherlich auch noch einiges an Forschungsarbeit nachzuholen.

Bei der Verbreitung von fruchtbarkeitshemmenden Mittel kann man für diesen Zweck Futterstellen einrichten oder auf die guten Erfahrungen mit der Impfköderverteilung bei der Fuchs- und Wildschweineimpfung zurück greifen.

Bevor man sich als Naturschützer mit Widerwillen und Vorurteilen gegen diese Methode auflehnt, wäre noch zu bedenken, dass alle durch uns Menschen praktizierten bestandsmindernden Maßnahmen, egal welcher Art, unnatürlich sind und nur einen Kompromiss im Grenzbereich zwischen Natur und unserer Zivilisation darstellen. Vielleicht sollte man auch einmal bedenken, dass man auch als Naturfreund nur punktuell ein natürliches Leben führt und selbst bei Ernährung, Wohnung, medizinischer Versorgung den harten natürlichen Bedingungen ausweicht und bei der eigenen Familienplanung sich sogar selbst für derartige Medikamente und nicht fürs Totschießen entscheidet. Jedenfalls sind humane Mittel nicht unnatürlicher als die Bleigeschosse der Jäger. Sie entsprechen auch eher unserem menschlichen Entwicklungsstand als die Gewehre.

Auch geht es bei dem Einsatz solcher Mittel nicht um noch mehr Pharmazeutika, sondern nur um andere Mittel, die anstelle der derzeit von Jägern an Wildtiere bereits verfütterten Medikamente kommen sollten. Und das auch nur dort, wo eine Störung auftritt und man mit Einzäunungen und abschreckenden Geruchstoffen allein nicht mehr auskommt. Also nur in Ausnahmefällen und nicht überall.

Es ist auch bekannt, dass manche Naturprodukte Stoffe enthalten, welche die Fruchtbarkeit auf natürliche Weise einschränken. Würde man solche Mittel verwenden, dann wären unter Wildtieren keinerlei Pharmazeutika mehr in Anwendung.

Die Kosten blieben unerheblich gering, wenn man sie einmal den derzeitigen jagdlich bedingten Milliarden-Schäden in Land- und Forstwirtschaft gegenüber stellt.

Solche fruchtbarkeitsmindernde Mittel ermöglichen jenen Wildtieren, welche in ihrem Bestand reguliert werden müssten, dennoch ein naturgemäßes, artgerechtes Leben, ohne dass dabei Angst und Scheu vor den in der Natur Erholung suchenden Menschen entsteht.

 

Händeringend werden die Jäger gegen derartiges Ansinnen mit ihren Gegenargumenten hausieren gehen, um sich die weitere öffentliche Akzeptanz ihres Hobbys zu erhalten und jedes entgegenstehende Denken als einen verschrobenen Schwachsinn abzutun. Denn, warum sollten wir anstelle der Jagd Verhütungsmittel verwenden, wenn die Bevölkerung dem Fleischverzehr nicht abgeneigt ist? Wozu diesen Verzicht auf nachwachsende Fleischerträge?

Auch verweisen die Jäger bei ihren Rechtfertigungsversuchen jetzt schon darauf, dass die Jagd die natürlichste und artgerechteste Form der Fleischproduktion darstelle und demnach zumindest aus dieser Sicht nichts verwerfliches sei.

Dass dies nicht richtig ist, wird bei der oberflächlichen Wirkung solcher Argumente schnell übersehen. In unserer heutigen Zeit leben die Wildtiere wegen ihrer Bejagung schon lange nicht mehr artgerecht in ihren angestammten Lebensräumen, sondern vegetieren in unseren Wäldern im Dauerstress in ihren Verstecken dahin. Längst ist das Leben dieser Tiere aufgrund der intensiven Bejagung zur Quälerei verkommen.

Auch fehlt jede Kontrolle bezüglich der an Wildtiere verfütterten Pharmazeutika und der eingesetzten Futtermittel. Von daher ist der Verzehr von Wildbret gesundheitlich risikoreicher, als das überprüfte Fleischangebot aus der Landwirtschaft.

Auch kann die Landwirtschaft mit akzeptableren Formen der Fleischbeschaffung aufwarten, als die Jagd. Wenn auch in der Landwirtschaft von unseren bisherigen lebensverachtenden Landwirtschaftsministern (jenen die selber Spaß-Jäger waren oder es noch immer sind) extrem tierquälerische Möglichkeiten bei der Tierhaltung erlaubt wurden, welche viele Agrarbetriebe in größerem Stil dann auch praktizierten, so gibt es im landwirtschaftlichen Bereich dennoch gewisse Formen der Tierhaltung, welche den Tieren ein wesentlich erträglicheres Leben ermöglichen, als es unsere Jäger den Wildtieren gönnen.

Wenn eines Tages der Tierschutz in unserem Land nicht mehr einem hobbymäßigen Tiermetzger in Gestalt eines Landwirtschaftsministers obliegt und in verantwortungsvollere Hände gelegt wird, dann wird der Tierschutz erstmals eine echte Chance bekommen und eine Beendigung landwirtschaftlicher Massen-Tierquälereien in Aussicht stehen.

Gerade die Landwirtschaft muss nicht Fleisch aus Quälerei anbieten, sondern kann auch auf Tierzucht mittels Koppelhaltung umstellen. Bei der Koppelhaltung verbringen die Tiere, im sozialen Gefüge der Herde eingebunden, ohne Nahrungsmangel ein ruhiges Leben auf dem Weideland und produzieren dabei weniger Stresshormone, als die derzeit noch lebenslänglichen Flüchtlinge im Wald.

Doch diese Form der Tierhaltung wird, anstatt eine Verbreitung zu finden, eher sehr zurück gedrängt, bis ganz unmöglich werden, wenn sich der Traum der Hobby-Jäger erfüllt und es in unserer Natur einmal wieder frei lebende Bären und Wölfe gibt.

Die Jagd ist auch aus der Perspektive der Fleischbeschaffung, wegen ihrer großen Nachteile für Natur, Tiere, Bevölkerung und Forstwirtschaft und wegen der im Vergleich zum Fleischbedarf der Bevölkerung relativ geringen Erträge auch volkswirtschaftlich nicht länger zu rechtfertigen.

 

Doch da hat sich die Jägerschaft auch schon wieder ein neues Argument zur Rechtfertigung ihrer Jagd einfallen lassen. Lautstark argumentiert man bereits mit dem Artenschutz, eine in unserer heutigen Zeit angeblich unverzichtbar gewordene neue jagdliche Aufgabe. Doch auch dahinter steht nur ein fadenscheiniger Vorwand, mit dem man die Bejagung von Füchsen und Rabenvögeln zu rechtfertigen und zugleich noch positiv darzustellen versucht. Mit Blick auf die überwiegend negativen Auswirkungen der Jagd, bezüglich des Natur- und Artenschutzes, möchte ich an dieser Stelle auf das Kapitel „Jagd und Naturschutz“ und die dort erläuterten enorm naturverfälschenden Aktivitäten der Hobby-Jäger hinweisen. Demnach ist auch aus der Sicht des Natur- und Artenschutzes die Hobby-Jagd nicht länger hinnehmbar.

 

Auch mit einer Berufung auf die Jagd als altes Brauchtum sollte das sinnlose Morden an Tieren nicht mehr länger zu entschuldigen sein. Denn selbst die Begründung, dass unsere Urahnen sich teils gegenseitig mit Steinäxten erschlagen haben, kann eine solche Tat heute auch nicht mehr rechtfertigen, auch dann nicht, wenn man sich dabei auf altes Brauchtum und nur auf Handlungen gegenüber Tieren beruft.

Noch viel weniger eignet sich die Berufung auf altes Brauchtum für dieses nur noch als Schützenspaß betriebene Ermorden von Tieren, denn derartiges gab es selbst bei den Barbaren frühester Zeiten nicht.

 

Vielleicht wird im Hinblick auf ein Jagdverbot so mancher Jäger mit tränenerstickter Stimme von alten und kranken Tieren erzählen, die nun eines natürlichen Todes sterben müssten, wenn sie kein Jäger mehr gewaltsam ins Jenseits befördern darf.

Möglicherweise befürchtet aber auch mancher andere Zeitgenosse, dass durch das natürliche Sterben von Tieren eines Tages Kadaver umher liegen und Seuchen ausbrechen könnten.

In diesem Zusammenhang seien aber die vielen von Jägern angeschossenen Tiere erwähnt, die oft nicht mehr aufgefunden werden und irgendwo in einem Versteck elendig verenden. Auch diese vielen Jagdopfer liegen nirgends lange in der Natur umher, da die Natur über Tierarten verfügt, welche auch verendete Tiere spurlos beseitigen. Es sei in dem Zusammenhang nur noch kurz an die dennoch von unseren Freizeitjägern bejagten Füchse und Rabenvögel erinnert.

 

Die Lösung von allen den, durch die heutige Jagd, für Natur, Tiere und Menschen, entstandenen Probleme ist fast zu einfach, wenn man nur bedenkt: „Jagd muss nicht sein!“ Besonders wegen der Zuspitzung und Ausuferung der von unserer Jägerschaft geschaffenen enormen Problematik, aber auch weil wir weder auf den Wald, noch auf die Wildtiere und auch nicht auf unser Naturbetretungsrecht verzichten wollen, bleibt nur zu ergänzen: „Jagd darf nicht mehr sein!“

 

Der große Irrtum mit den Bären und Wölfen!

 

In letzter Zeit wurden die Äußerungen einiger Menschen immer unüberhörbarer, die zwecks Wiederherstellung alter natürlicher Zustände und zur Abschaffung der Jagd sich die Wiederansiedlung von Bären und Wölfen zumindest in unseren Naturparks wünschen.

Doch die Hoffnung mit der Auswilderung solcher Tiere die Jagd zu beenden ist eine pure Illusion. Solche Gedanken entstammen einem taktischen Kalkül der Jägerschaft und dienen diesen, um in der Bevölkerung Zustimmung und Unterstützung für ihre Pläne zur Wiederansiedlung bezüglich solcher Raubtiere zu finden. Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass diese Tiere von einem Großteil, vor allem aber von dem einflussreichsten Teil der Jägerschaft sehnlichst zur Bereicherung ihrer Trophäenvielfalt erwünscht wird. Es sind eher die kleinen Jagdhelfer die noch immer von einem Sechsender-Rehbockgehörn träumen und sich daher ob echt oder nur scheinbar über solche Wiederansiedlungspläne aufregen. Die bessergestellten Jäger wissen jedoch genau was sie wollen.

Mir gegenüber schwärmte ein solcher Jäger einmal von diesen bereits erträumten Zeiten:

„Mann, überleg mal, Bäre und Wölfe hier in der Pfalz, in meinem Revier?

Das wird kommen!

Über unsere Freunde in Bonn und Brüssel und über den Artenschutz wird es uns gelingen, diese Tiere wieder hier her in den Pfälzer-Wald zu bekommen.

Ich werd sie nicht nur füttern – Ich werde sie mit Wildschweinefleisch mästen, damit sie mehr und mehr werden! Bis an den Dorfrand werde ich sie damit locken, bis eines Tages die Leute wieder bettelnd nach uns Jägern rufen!

Überleg doch mal, wie die uns dann wieder anhimmeln werden und was es für uns bedeutet im eigenen Revier einen Wolf oder einen Bären zu schießen!

Ja – das ist mein Traum!

Was denkst du wie schnell dann auch diese Pferde- und Schafkoppeln wieder verschwinden. Dann werden an den Wochenenden auch weniger Deppen hier durch den Wald schlappen (so seine Wortwahl), sobald diese Tiere hier einmal wieder frei herum rennen!

Ja, wir werden diese Tiere wieder bekommen und irgendwann werden es dann so viele sein, dass wir sie schießen dürfen.

Ja, dann könnte ich auf Bärenjagd gehen, hier in meinem eigenen Revier!

Ja! Das wird wahr werden! Das erleb ich noch!“

Dieser Jäger hatte sogar in angetrunkenem Zustand behauptet, mit einem Kollegen, vor einigen Jahren das Wolfsgehege in einem Wildpark bei Wachenheim aufgeschnitten zu haben, um der Wiederansiedlung von Wölfen damit auf die Sprünge zu helfen!

Dieses mit dem aufgeschnittenen Wolfsgehege war dort tatsächlich passiert!

Jedenfalls wird die beabsichtigte Ansiedlung von Bären und Wölfen der Hobby-Jagd kein Ende bescheren, sondern ihr nur neuen Auftrieb verschaffen und den Rückhalt der Jäger in der Bevölkerung wieder stärken. Mit ihrer momentan herangezüchteten Wildschweine-Überpopulation und den Wildschweineproblemen an den Randbereichen der Dörfer, bekommen wir gerade einen vagen Vorgeschmack von dem, was uns da noch erwarten könnte. Wegen des Artenschutzes und der daher in der Anfangsphase noch verbotenen Jagd auf Wölfe oder Bären, werden sich diese Tiere mit abnehmender Scheu bis in die Ortsrandbereichen vorwagen, um nach Essensresten zu suchen. Das vor allem dann, wenn einige skrupellose Jäger sie hier extra anfüttern.

Mit Sicherheit wird die Auswilderung solcher Tiere den Erholungswert der Natur für die Bevölkerung sehr stark mindern und zugleich jegliche Hoffnung darauf zunichte machen, dass eines Tages einmal die tierquälerische Boxenhaltung in der Landwirtschaft durch eine ausgiebigere Koppelhaltung zu ersetzen wäre.

Den Jägern wäre dies auch nur Recht, denn diese, ihre Jagdreviere unterbrechenden jagdfreien Tierkoppeln sind denen schon lange wie ein Dorn im Auge.

Ganz gezielt fördert man daher auch den falschen Glauben an den Jäger als den Ersatzwolf weiter und damit auch die Illusion, dass mit der Auswilderung solcher Tiere die Jagd zu beenden wäre. Zugleich ist diese in der Bevölkerung verbreitete Meinung vom Jäger als Wolf-Ersatz auch nicht unwesentlich daran beteiligt, dass das Morden der Jägerschaft noch immer von vielen Menschen als eine unumgängliche Notwendigkeit toleriert wird, zumindest solange es noch keine Bären und Wölfe bei uns gibt. Sogar noch solche als jagdlich neutral eingeschätzte Politiker und Beamte glauben an diesen angeblich unverzichtbaren Einsatz der Jäger und honorieren diesen mit Anerkennung und Begünstigungen.

Dass sich die Hobby-Jäger als Raubtierersatz aber selbst nicht ernst nehmen, wird dabei einfach übersehen, denn wo würde ein Wolf oder Bär mit der Freisetzung von Zuchttieren eine Bestandsvermehrung betreiben? Auch würden diese Raubtiere weder Rehe noch Fasane füttern. Und wie ist das mit der geschlechtsorientierten Auswahljagd? Kein Bär oder Wolf würde sich an diese Regel halten, um so die jährliche Nachwuchsmenge auf einen höchstmöglichen Level zu bringen.

Sobald man sich etwas eingehender mit der Jagd beschäftigt, erkennt man, dass die Hobby-Jägerschaft doch größtenteils genau das Gegenteil von dem bewirkt, was sie allgemein mit ihrer Raubtierfunktion vortäuscht und dass es sich bei der Vorstellung vom Jäger als Ersatzwolf nur um einen Trugschluss handelt. Denn die eigentliche Aufgabe, welche die Raubtiere in der Natur erfüllen, ist kaum eine Bestandsreduzierung, sondern viel mehr nur eine Auslesefunktion von kranken und schwachen Tieren. Ihre natürliche Aufgabe ist daher lediglich der Erhalt eines genetisch gesunden Beutetierbestandes.

Bei uns fallen derzeit sogar mehr Tiere dem Straßenverkehr und noch viel mehr Tiernachwuchs der maschinell betriebenen Landwirtschaft zum Opfer, als früher den hier noch lebenden Bären und Wölfen.

Wer also glaubt, dass mit der Wiederansiedlung größerer Raubtiere eines Tages die Jagd abzuschaffen wäre, der irrt.

Da unsere Jäger bisher weder die Bären noch die Wölfe ersetzten, sondern mit ihrer Hege sogar noch das Gegenteil betreiben, kann man schon heute, auch ohne Bären und Wölfe, die Hobby-Jagd getrost beenden, denn ohne die Jäger werden die Wildtierbestände eher ab, anstatt zu nehmen.

Zynisch lachend werden die Jäger auf solche Worte reagieren und davon reden, dass die jagdfreien Naturbereiche ohne sie sehr bald mit Tieren, besonders mit Wildschweinen überquellen werden und dass bei uns ohne die Jagd nur noch Seuchenausbrüche deren Überpopulation entgegen wirken könnten.

Mit dieser Argumentation ist es den Jägern bisher auch tatsächlich gelungen weite Bevölkerungskreise von der angeblichen Notwendigkeit ihrer Jagd zu überzeugen. Tatsache ist jedoch, dass die Natur noch immer über sehr wirksame Regulationsmethoden verfügt, um die Wildbestände in Grenzen zu halten. Diese sind das natürliche Nahrungsangebot, sowie der nur eine gewisse Populationsstärke zulassende Lebensraum, mit seiner z.B. begrenzten Anzahl von Nistmöglichkeiten usw. Und diese zwei wesentlichen Regulationsmechanismen sind auch bei uns noch uneingeschränkt wirksam, sobald man den Spaß-Jägern ihre, dieser Selbstregulation, entgegen gerichteten Hegebemühungen verbietet.

Diese Selbstregulation ist durch wissenschaftliche Untersuchungen schon lange nachgewiesen. Z.B. konnten sich auch ohne natürliche Feinde und unbejagt lebende Raubtiere nicht grenzenlos vermehren. Ihre Bestandsdichte wurde und wird noch immer vom vorhandenen Nahrungsangebot reguliert. Diese Regulation wirkt aber nicht nur bei Raubtieren, sondern auch bei den pflanzenfressenden Tiergattungen. Bei denen kommt sogar noch der winterliche Nahrungsengpass verschärfend mit hinzu und das vor allem wegen der nachfolgenden Zeit der Trächtigkeit.

Diese Art der Bestandsregulation durch das vorhandene natürliche Nahrungsangebot wurde in einer Langzeitstudie wissenschaftlich untersucht, welche die Abteilung „Wildbiologie“ der Universität München bereits in der Zeit von 1983-1992 in Südtirol in einem Versuchsgelände bei Hahnebaum in 1400-2050m Höhenlage durchgeführt hatte. Dabei war noch ein weiterer natürlicher Regulationsfaktor erkennbar geworden. Es ist eine erhöhte Kitzsterblichkeit. Diese ist nicht nur von der Winterlänge vor der Geburt, sondern auch von der Populationsdichte abhängig. Somit produziert eine hohe Population einen nur noch geringen Zuwachs. Der Zuwachs war hier nur noch etwa ein Drittel, wie dies unter günstigeren Umständen möglich gewesen wäre.

Die Ursache der hohen Kitzsterblichkeit liegt an dem Konditionstief der Geißen im Frühjahr, das besonders in den kälteren Lagen. Die Kitze kommen dort mit zu geringem Gewicht zur Welt und können von den Geißen auch nicht ausreichend mit Milch versorgt werden.

Genau diesen Zustand hatten wir inzwischen auch teilweise in unseren Wäldern beim Rehwild. Wegen des falschen Lebensumfeldes und den darin überhöhten Tierbeständen und dem folglich sich einstellenden Nahrungsmangel gab es in vielen Jagdrevieren nur noch abgemagerte bzw. geschwächte Tiere.

Auch hier hatten wir bereits ähnliche Effekte. Auch hier begann die Natur durch Nahrungsdefizite und Schwächung der Muttertiere einer weiteren Bestandserhöhung durch eine erhöhte Nachwuchssterblichkeit entgegen zu wirken.

Man erkennt daran: Es waren nicht die Jäger, sondern bereits die Natur, welche auch bei uns ein grenzenloses Anwachsen der Tierbestände verhindert hatte. Mit ihren Fütterungen, bzw. dem Anlegen von Wildäckern, versuchten die Jäger diese natürliche Bestandsbegrenzung sogar auszuschalten, um sich die für ihre Jagdausübung erwünschten, aber für diese Lebensräume unnatürlich überhöhten Wildtierbestände heran zu hegen.

Neben dieser Bestandsregulation durch Nahrungsdefizite wurde inzwischen noch eine andere Funktion zur Selbstregulation in Amerika an Sika-Hirschen erkannt. Das sind Tiere, die es inzwischen auch bei uns gibt, da sie von Hobby-Jägern zur Bereicherung ihrer Trophäenvielfalt auch hier ausgewildert wurden. Bei diesen Tieren konnte ab einer gewissen Bestandsdichte und einer von daher kommenden erhöhten Stressbelastung eine vermehrte Hormonproduktion durch die Nierennebenrinde nachgewiesen werden. Diese Hormone bewirken zusätzlich eine Bremsung der weiteren Vermehrung auch ohne Nahrungsmangel, nur durch einen Rückgang der Fruchtbarkeit!! Möglicherweise gibt es diese Regulation auch bei unserem Reh- und Rotwild.

Bäre und Wölfe sind daher keine natürliche Notwendigkeit. Deren betriebene Wiederansiedlung wäre somit in unserem dicht besiedelten Land und bei der wichtigen Erholungsfunktion unserer Wälder für die Bevölkerung,  eine äußerst unverantwortliche und gegen die Bevölkerung gerichtete unnötige Maßnahme! Und das letztlich nur zur Steigerung der Spaß-Jagd.

Politiker die solche Pläne zur Auswilderung unterstützen, sollten auch einmal erklären, was diese Art von Politik den Menschen die sie gewählt haben überhaupt nützen soll.

Doch die hier in Rheinland-Pfalz, gelegentlich über die Medien betriebene Verniedlichung von Bären und Wölfen, sowie Beteuerungen bezüglich deren Harmlosigkeit, wegen ihrer angeblich angeborenen Menschenscheu und wegen ihrer sehr großen Reviere und damit letztlich doch sehr geringen Populationsdichte, schüren den Verdacht, dass deren Wiederansiedlung über die Schiene von Natur- und Artenschutz tatsächlich geplant ist. Scheinbar wird die Bevölkerung über die Medien bereits langsam darauf eingestimmt.

Mit dem Luchs ist man ja schon dabei, ein größeres Raubtier in unserer Natur zu integrieren.

Eine weitere Besonderheit in diesem Bundesland ist, dass hier erst vor wenigen Jahren die Bären und Wölfe ganz neu dem Jagdrecht unterstellt wurden und das, obwohl es doch solche Tiere hier schon lange nicht mehr gibt.

Weshalb wird dies wohl geschehen sein?

Scheinbar hat man zur Zerstreuung der Bedenken einiger eingeweihter Politiker die Tiere dabei vorerst ganzjährig und ohne Schonzeit zum Abschuss frei gegeben. Aber das ist unwichtig, denn noch gibt es ja keine dieser Tiere in freier Wildbahn. Und wenn es einmal so weit ist, dann bedarf es keiner hitziger parlamentarischer Debatten mehr, denn dann geht es nur noch um eine Schonzeitenregelung durch die untere Jagdbehörde und den dort angestellten Jäger oder um eine vorläufige Unterschutz-Stellung (allein schon wegen des Artenschutzes wird es so sein) mit erst späterer Jagdfreigabe.

Doch mit Blick auf die Gefährlichkeit solcher Tiere, wird ihre Wiederansiedlung mit keinem ehrlichen Argument zu rechtfertigen sein.

Diese Tiere nützen der Bevölkerung nichts und die Natur braucht sie nicht. Die Unfälle von Waldarbeitern und Bauern z.B. in Rumänien bezeugen eindeutig, dass solche Tiere für Menschen alles andere als harmlos sind. Noch können wir unsere Waldspaziergänge angstfrei genießen. Doch wie lange wird es noch dauern, bis jägertreue Politiker auch das verändern?  

 

Unsere Natur braucht weder die Bären noch die Wölfe. Noch weniger braucht sie die Spaß-Jäger.

Zur Verhütung von Waldwildschäden muss vorläufig nur die Jagd außerhalb der Wälder und in den Waldrandbereichen verboten werden. Die Tiere werden bei einer nur noch im Kern der Wälder ausgeübten Jagd dieser ausweichen und in ihre alten dann wieder jagdfreien Lebensbereiche in den Waldrandbereichen zurück kehren. Damit wäre dann das Thema ‚Waldwildschäden‘ beendet und mit ihm sollte auch die Jagd abgeschafft werden, damit sie nicht auf unschädliche Kleintiere weiter betrieben wird und ganz klar ihr Ende findet. Erst ohne Jagd werden sich die Tiere dann auch aus der Deckung der Wälder ganz heraus getrauen und zu ihren natürlichen Lebensweisen zurück finden. Zur wirksamen Vermeidung von Wildschäden an Kulturpflanzen auf den Äckern müsste dann, an Stelle der Jagd, die sehr viel preiswertere Variante der Trennzäune treten. Sie würden den ganzen bisherigen Ärger mit Wildschäden und Jägern einfach beenden. Dies wäre auch hier die beste Lösung, um Natur- und Kulturbereiche zu trennen.

Jahrzehntelang konnte die Forstwirtschaft, trotz oder gerade wegen der Jagd, nur noch mit solchen Schutzzäunen überleben. Warum sollte dies an Stelle der Waldwirtschaft dann nicht im Bereich der Landwirtschaft in den Randbereichen möglich sein? Längs der Autobahnen sind solche Trennzäune zur Verhütung von Wildunfällen schon lange realisiert. Das eigentliche Problem das bisher  einer Verbesserung entgegen stand, waren weder die relativ geringen Kosten noch die praktischen Umsetzungsmöglichkeiten, sondern nur der politische Wille!

 

 

Die Natur braucht nicht uns Menschen,

 

um sich natürlich zu entwickeln und zu regulieren.

 

Wir müssen sie nur in Ruhe lassen.

 

 

 

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